Mai 20, 2024

Historie

Die Geschichte der alten Germania

Mehr als 100 Jahre sind vergangen, seit dem „König Fußball“ seinen Einzug in Nieder-Mockstadt gehalten hat. Der Hype des runden Leders aus England machte auch hier keinen Halt und begeisterte die Bevölkerung.

Es war die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, eine sehr schwere Zeit. Die jungen Leute in Deutschland sehnten sich nach Zusammenhalt, Abwechslung und vor allem Kameradschaft, um den schlimmen Alltag zu entkommen.

Und so kam es, dass am 01. August 1920 zur Gründungsversammlung ins Gasthaus Wagner eingeladen wurde. 10 Fußballbegeisterte junge Männer fanden sich ein, um einen Verein zu gründen, der sich auch noch 103 Jahre später mit knapp 200 Mitgliedern an diesen Tag erinnern möchte.

Der offizielle Geburtstag unserer Germania ist der 25.07.1920.

Die Gründer waren: Gustav Betz (1.Vorsitzender), Karl Heutzenröder (2.Vorsitzender), Robert Zaminer (Rechner und Schriftführer), Emil Mickel (Beisitzer), Heinrich Kern (Beisitzer), Karl Fich (Spiel-und Zeugwart).

Folgende Mitgründer gehörten zur Stammmannschaft: Karl Betz, Robert Wagner, Heinrich Wagner, Emil Wagner, Herman Ulrich, Heinrich Kröll und Heinrich Schaubach.Die Menschen in Nieder-Mockstadt suchten sie nach neuen Wegen der Gemeinschaftspflege und der Geselligkeit. Und so wurde am 05. Dezember des Gründungsjahres im Saale Wagner ein Theater- und Unterhaltungsabend veranstaltet. Gespielt wurden vier Einakter. Im Anschluss der Veranstaltung gab es eine Verlosung mit 23 Preisen. Erster Preis war eine Wurst, zweiter Preis eine Brezel und dritter Preis ein Laib Brot. Zu unserer Weihnachtsfeier gibt es zum Vergleich zu damals einen Fernseher, eine Kaffeemaschine und einen Traktor für Kinder. Eine schöne Zeit, als die Menschen sich über eine Wurst freuten…

Bis zum Frühjahr 1921 kamen weitere aktive Mitglieder hinzu. Austragungsort der damaligen Spiele, zu denen zuweilen auch in Sechser-Mannschaften angetreten wurde, war nach Protokolleintragungen eine Wiese in der Nähe des heutigen Sportgeländes in Nieder-Mockstadt. Im Gegensatz zur heutigen Zeit, gab es damals keine fest eingegrabenen Tore. Tore und Pfosten wurden zu jedem Spiel neu aufgestellt und nach Ende wieder abgebaut. Gelagert wurden die einzelnen Teile auf der Kegelbahn des Vereinswirtes Wagner.

Die Anreise zu Auswärtsspielen war Mitte der 20er mit hohem Aufwand verbunden, da es motorisierte Verkehrsmittel noch nicht gab – jedenfalls nicht für ländliche Fußballer, und nicht jeder Aktive verfügte über ein eigenes Fahrrad. Trotzdem war man mit Freude und Begeisterung bei der Sache. Auch auswärtige Fußballfreunde aus Altenstadt, Stammheim und Ober-Mockstadt schlossen sich als Aktive der Germania an.Eine neue Phase in der Vereinsgeschichte begann 1930, als Robert Ganß die Leitung der S.C. Germania übernahm. Diese Phase währte aber nur knappe 3 Jahre. Im Jahre 1933 kam der Spielbetrieb der ersten Mannschaft schon wieder zum Erliegen und konnte auf Grund des schlimmen 2. Weltkrieges 1945 nicht fortgesetzt werden.Nach dem zweiten Weltkrieg war es der Fußballverein, der sich als erster unter den örtlichen Vereinen wieder neu organisieren konnte. Im alten und neuen Vorsitzenden Robert Ganß und dem ersten Bürgermeister der Nachkriegszeit, Friedrich Kern fanden sich zwei außerordentliche Förderer. So wurde 1945 in Nieder-Mockstadt wieder Fußball gespielt. Hauptsächlich wurden Freundschaftsspiele nach dem Motto „Jeder gegen jeden“ ausgetragen, ohne auf Spielberechtigungen oder andere Formalitäten zu achten. Es zählte nur der Spaß.

1946 fanden sich junge Damen, die für zwei Jahre eine Handball-Damenschaft bildeten.

Handball-Abteilung: Ruth Heim, Elly Heutzenröder, Gertrude Schestag, Maria Rogl, Elfriede Bretthauer, Elfriede Seitz, Leni Bretthauer, Waltraud Noiset, Gisela Fich, Inge Schmalz, Else Heutzenröder, Paula Ulrich und Elli Franz.

Ebenfalls konnte man eine 1. Mannschaft melden.

Erste Fußball-Mannschaft: Heinz Stahl, Rudolf Schöhl, Herbert Koch, Erich Eich, Helmuth Hackland, Robert Seitz, Robert Kaufmann, Otto Wagner, Willi Koch, Helmuth Kober und Hans Kulina.

Nach dem Krieg spielte sich das Spielgeschehen auf dem Sportplatz auf der Gänsweide im Niddatal ab. 1952 wurde Rudolf Schöhl neuer Vorsitzender, hier gelang es der Mannschaft in der Saison 1952/53 doch noch, der Gruppensieg der B-Klasse und damit der langersehnte  Aufstieg in die A-Klasse. Das Foto der Aufstiegsmannschaft schmückte, das seit dem Krieg gewählte Vereinslokal, die „Gaststätte Christ“. 13 Jahre konnten sich die Mannen der Germania in der A-Klasse behaupten, ehe es in der Spielzeit 1965/66 wieder ein Stockwerk tiefer ging.

1965 gesellte sich die neugegründete Tischtennisabteilung zur Germania. Für sie war das Jahr 1969 ein außergewöhnlich erfolgreiches, indem sie sowohl auf Kreis- als auch auf höherer Ebene Meistertitel und hervorragende Platzierungen erringen konnte. Im Schülerdoppel wurde das Team Wilhelm Wagner/Günter Brack Südhessen-Meister. Auch in Mannschaftskämpfen war die Abteilung mehrfach erfolgreich und kehrte mit zahlreichen Meisterurkunden zurück. 1977 wurde die Tischtennisabteilung eigenständig und gründeten den TTV 1977 Nieder-Mockstadt.

Im Zuge der Flurbereinigung 1965/66 bot sich dem Verein die einmalige Gelegenheit, ein Sportgelände in unmittelbarer Ortsnähe zubekommen. So wurde in Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung und dem damaligen Nieder-Mockstädter Bürgermeister Wilhelm Müller das Gelände des heutigen Sportfeldes gewählt.

Nachdem die Mannschaft und der Spielausschuss selbst die Geschicke im Training leitete und eigens die Mannschaften für den Spieltag auf- und einstellte, wurde es in der Saison für Nieder-Mockstädter Verhältnisse revolutionär. Mit Volkwart Harders wurde der erste Trainer der fast 50-jährigen Geschichte präsentiert. 

1968 wurde nun Otto Bretthauer 1. Vorsitzender. Sportlich kamen nun die goldenen 70er Jahre. Kein Jahrzehnt brachte mehr Erfolge wie dieses. Zu dem schon vorhandenen Stamm er 1. Mannschaft um Adolf Rössler, Jürgen Kullmann und Werner Gottwals, kamen die jungen wilden dazu, Günter Kern, Bernd Eisenmann, Karlheinz Rösch, und Wolfgang Habel, sowie die Neuzugänge Otto Faust, Wolfgang Dickenberger, Bernd Rodenberg, Ingo Henkel und Jupp Rosenfeld. Diese Mannschaft war in diesen Jahren das Maß aller Dinge im Sportkreis. Es wurden 2 Aufstiege in die Bezirksklasse (heutige Gruppenliga) erreicht und konnte sich dort drei Jahre behaupten. Auch der Kreispokal gewann man 1974. Nennenswert ist, alle Neuzugänge fanden ihr Liebesglück in Nieder-Mockstadt und blieben dem Verein auf ewig treu.

Auch mit einer Damenmannschaft wurde in den 70er Jahre gespielt, diese leitete Albert Koch.

Unter Otto Bretthauer gab es nicht nur sportliche Erfolge. Auch die Einweihung des neuen und heutigen Sportplatzes und der Bau der Flutlichtanlage, was zu dieser Zeit eine Seltenheit war.

1970 wurde das Sportheim gebaut und 1972/73 mit den Kabinen erweitert.

1984 endetet die Ära Otto Bretthauer krankheitsbedingt. Zweifelsohne die für den Verein prägendste Zeit. Otto Bretthauer war maßgeblich für das heute Fundament dieses Vereins verantwortlich. Rückendeckung erhielt er stets von seiner frau Herta, die auch die Trikots der 1. und 2. Mannschaft wusch.

1984 bis 86 folgte Ingo Henkel, Karlheinz Rösch übernahm den Vorsitz bis 1995.

Im Jahre 1983 konnte die 1. Mannschaft um Jiri Patjedl nochmals den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffen, verpasste aber 1985 den Wiederaufstieg nur knapp. Da der Nachwuchs fehlte, fand man sich in der C-Klasse wieder. Ein Highlight in diesen Jahren waren die beiden Gastspiele der Bundesligamannschaften vom 1.FC Kaiserlautern mit ihrem Trainer Hans „Hannes“ Bongartz, Ergebnis 19:0 und 1985 gegen Eintracht Frankfurt mit Trainer Dietrich Weise, 7:2.

Zwischen diesen beiden Jahren entschied man sich den Sportplatz zu erneuern. Es wurde professionelle Hilfe von einer Firma, die auf Golfplätzen spezialisiert war hinzugezogen, so wurde neue bessere Erde aufgefüllt und neuen Rasen gesät. Als Ausweichplatz wurde der „alte Sportplatz“ im Niddatal wiederhergerichtet.

Das Sportheim, so wie es heute hier steht, wurde 1990/91 mit dem Anbau an das Vereinslokal mit der heutigen Theke fertig gestellt, sodass es stets zum gemütlichen Zusammensein an der L-förmigen Theke einlädt. 

Auch die Erfolge blieben nicht aus. So wurde von 1990 bis 1992 der Durchmarsch unter Trainer Gunter Scholz von der C-Klasse in die A-Klasse erreicht. Auch die zweite Mannschaft erreichte dreimal hintereinander die Reservemeisterschaft von 1994 bis 1996. 1998 wurde wieder ein Durchmarsch errungen, nachdem man im Jahr zuvor den Aufstieg in die A-Klasse schaffte, schaffte man auch den Aufstieg in die Bezirksliga (heutige Kreisoberliga).

Auf Karlheinz Rösch ab 1995 folgte bis 1997 Gerd Schmitt und anschließend bis 2002 Dietmar Schmidt als 1. Vorsitzender. Unter der Leitung von Dieter Seitz (2002-2006) wechselte man 2003 dann im Seniorenbereich in den Sportkreis Friedberg. Die Kinder und Jugendlichen spielten schon seit Anfang der 90er Jahre mit ihren Alterskameraden aus den anderen 5 Stadtteilen in der „Jugendspielgemeinschaft Florstadt“.

2006 kam es dann im Seniorenbereich zum Zusammenschluss mit der SG 1920 Stammheim e.V. Das in diesem Jahr neu gewählte Führungsduo Walter Schmidt (1. Vorsitzende) und Karlheinz Rösch (2. Vorsitzende) mussten nach einem kurzfristigen Trainerwechsel und acht Spielerabgängen kurz vor Rundenbeginn entscheiden, wie es mit dem Verein weiter geht. Und so wurde mit dem damaligen Stammheimer Vorsitzenden Reinhard Heller eine Spielgemeinschaft beschlossen. Was, bis zu dem heutigen Tag, eine sehr gute Entscheidung für den ganzen Verein war. Gleich in der ersten Saison gelang es der Spielgemeinschaft in die Kreisoberliga aufzusteigen.

Die heutige SG Nieder-Mockstadt/Stammheim wechselte im Jahr 2011 wieder zurück in den Spotkreis Büdingen. Somit schickt man heute wieder 2 Seniorenmannschaften im Fußballkreis Büdingen an den Start.

Nachdem man sich in den 2010 wieder in der B-Klasse fand, stieg man unter Trainer Klaus Deckenbach 2013 wieder in die A-Klasse auf. In der Saison 2015/16 übernahm Sascha Bingel das Traineramt und stieg auf Anhieb in die Kreisoberliga auf. Seit 2022 wird wieder eine Klasse tiefer gespielt. Trainiert werden seit der Saison 2022/23 die beiden Mannschaften von Kai Möller.

2017 gab es nach 11 Jahren ein Führungswechsel auf Vorstandsebene. Nachdem über Jahre junge Leute in den Vorstand geholt und aufgebaut wurden, übergab Walter Schmidt den Vorsitz an Mirko Rösch. Felix Müller übernahm den 2. Vorsitzenden.

Zwischen 2020 und bis heute wurde das Sportheim Schritt für Schritt mit eigenen finanziellen Mitteln renoviert. Zuerst wurden die Gaststätte und Küche neu angelegt und gefliest, anschließend die Toiletten und die Kabinen erneuert. Alle Arbeiten wurden von Vorstandsmitgliedern und Vereinsmitgliedern ausgeführt, einen vielen ank an alle Helfer! 

Alljährlich am letzten Augustwochenende ist Kerb in Nieder-Mockstadt. Zum Kerbfreitag verwandelt sich das Sportgelände zu einer riesigen Strandlandschaft mit eigens dafür errichtetem Pool. Der Kerbsonntag stand immer im Zeichen von Wettkämpfen zwischen verschiedenen Teams und Gruppen. Die Teilnehmer messen sich in „Spiele ohne Grenzen“, „Jedermann-Elfmeterschießen“ etc., bevor dann „Alt und Jung“ zum gemütlichen Beisammensein mit Kaffee, Kuchen und Gegrilltem übergehen. Seit letztem Jahr wurde aus dem Kerbsonntag einen Frühschoppen mit Livemusik.

Erwähnenswert sind auch die vergangenen Apres-Ski-Partys mit riesiger Hütchentheke mitten im Zelt. Hier wurde einst mit LKW und Autoanhänger in den Vogelberg gereist, um den dortigen Schnee in die Wetterau zubringen und anschließend eine Bar aus Schnee und Eis zubauen.